Ein Mord, der alle fesselte – Theater-AG sorgt für Gänsehaut und Applaus

Ein Zug, eine Schneewehe, die die Weiterfahrt verzögert, ein Toter; dazu jede Menge höchst verdächtiger Passagiere – und zufällig ist Meisterdetektiv(in) Hercule Poirot an Bord. Das klingt nach Agatha Cristie und ist die Neufassung des mehrfach verfilmten weltbekannten Krimis der britischen Bestsellerautorin als Bühnenstück. Uraufgeführt hat es die Theater-AG des Sophie-Hedwig-Gymnasiums Diez, geleitet von Sonja Eder und ihrem Assistenten Nuno da Silva, in der Aula der Schule am 12. und 13. Juni 2025, vor (an beiden Tagen) über 350 Zuschauern.

 

Der Inhalt des aus den 1930er-Jahren stammenden Krimi-Klassikers ist schnell erzählt: Im Orient-Express auf dem Weg von Belgrad nach Istanbul, eine Reise, die sich damals nur Vermögende leisten konnten, treffen, scheinbar zufällig, eine Reihe skurriler Persönlichkeiten aufeinander. Als ein Reisender, der zwielichtige Amerikaner Samuel Ratchett, in der Nacht mit zwölf Messerstichen ermordet aufgefunden wird, bittet der mitreisende Direktor der Eisenbahngesellschaft, Monsieur Bouc (gewohnt sicher Lilly Schwindt, 12E1), den an Bord befindlichen Detektiv Hercule Poirot (mit großer Ausstrahlung und enormem Textvermögen: Erin Janott, 10b) um Aufklärung des Falles. Der Täter muss eigentlich einer der zwölf Passagiere sein, da niemand den Zug betreten oder verlassen konnte, oder doch nicht?

 

Durch die Auswertung von Indizien findet Poirot heraus, dass alle Fahrgäste einen persönlichen Bezug zu Ratchett haben, der Jahre zuvor unter seinem wirklichen Namen Cassetti das Mädchen Daisy Armstrong entführt und ermordet hat, sich aber der Verantwortung entziehen konnte. Es könnte sich also um einen Fall von Selbstjustiz handeln, wobei die zwölf Passagiere, gemeinschaftlich und nacheinander, mit dem Messer zustachen und sich zugleich ein kompliziertes Alibi zurechtlegen. Tatsächlich bietet Detektiv Poirot Monsieur Bouc aber auch eine alternative Version an: ein unbekannter, später zugestiegener Mann könnte die Tat begangen und den Zug längst wieder verlassen haben. Der Zugdirektor, dem der Vorfall unangenehm ist und der auf eine schnelle und simple Lösung abzielt, entscheidet sich am Ende für den Einzeltäter. Ein ungesühnter Mord als ausgleichende „Gerechtigkeit“?

 

Spannung und besonderes Feeling des Stückes liegen in den vielen Dialogen, mit denen die Detektivin die Fahrgäste zu überführen versucht. Dabei wurde die klaustrophobe Atmosphäre in dem eingeschneiten Zug durchaus gut auf die Bühne gebracht. Die Gemeinschaft der Passagiere sitzt geradezu stoisch auf Stühlen im Hintergrund, während die jeweils Verhörten nach vorne treten, um Poirot gegenüber kunstvoll ihre Unschuld zu beteuern.

 

Einmal mehr zeichnet sich die Aufführung als ein Gemeinschaftswerk der Theater-AG aus. In ihren Rollen, phantasievoll und originell eingekleidet, glänzten – neben den Hauptdarstellern – insbesondere Zara Vossebein (12E1) als giftige alte russische Fürstin Natalia Dragomirov, Yulija Baganova (11M) als hysterische Amerikanerin Mrs. Hubbard und Joel Delaye (10b) als „messerstechender Mafia-Italiener“ Antonio Foscarelli.

 

Das Skript erarbeitete Regisseurin und AG-Leiterin Sonja Eder in mühlevoller Kleinarbeit, mittels Adaption der in Prosa vorliegenden Romanvorlage. Mike Wako (10b) wandelt mit seiner selbst komponierten Bühnenmusik auf den Spuren Hans Zimmers. Die Technik besorgten neben ihm Fabian Stoll (10a) und Robin Kett (12M). Den Flyer produzierte Kristina Elsesser (12E1).

 

Levi Gerheim (10b) als Kindsmörder Ratchett hatte keine leichte Aufgabe: schon nach 20 Minuten ins Jenseits befördert, musste er den Rest des Stückes als „Leiche“ unbeweglich auf der Bühne verbringen. Wenigstens die halbstündige Pause für das Publikum mit kalten Getränken im Hof aber durfte er – mit einem verschmitzten Lächeln – ankündigen.

 

Schon jetzt freuen wir uns auf das nächste Stück im kommenden Jahr!

 

Ein herzlicher Dank gilt allen beteiligten Schülerinnen und Schülern, dem engagierten Technikteam sowie der Theater-AG-Leitung Sonja Eder und Nuno da Silva für ihren unermüdlichen Einsatz.

 

Hubert Roser

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Veröffentlichung

Di, 24. Juni 2025

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