Abitur in Zeiten von Corona

01.04.2020

Das Sophie-Hedwig-Gymnasium ist stolz auf seinen denkwürdigen Abiturjahrgang

Im Januar war die Welt noch vergleichsweise in Ordnung, Corona nur eine Randnotiz in der Weltpresse. So liefen die schriftlichen Abiturprüfungen am Sophie-Hedwig-Gymnasium wie an den anderen rheinland-pfälzischen Schulen ungestört und die Abiturienten zeigten in ihren drei Leistungsfächern ihr Können.
In den Wochen danach fanden die Erst- und Zweitkorrektur statt, die Schüler hatten wie immer noch einige Wochen Unterricht und für den 16. und 17. März waren seit langem die mündlichen Prüfungen angesetzt. Doch nun hatte sich die Lage komplett verändert und so wurde am Freitag, dem 13. März 2020, von der Landesregierung die Schließung aller rheinland-pfälzischen Schulen ab dem folgenden Montag verkündet.
Eine Herkules-Aufgabe für alle Schulen, eine besondere Herausforderung für das Sophie-Hedwig-Gymnasium, das über das Wochenende eine Lösung für seine mündlichen Prüfungen finden musste. Schnell war klar, dass die Schule an dem angesetzten Termin festhalten wollte, denn alle hatten sich darauf vorbereitet und waren noch gesund. So wurden die Abiturienten per Mail und Homepage informiert, dass zwar alle am kommenden Montag zu Hause bleiben würden – sie aber nicht.  
Die Oberstufenleitung passte in kürzester Zeit die Prüfungspläne an, da z.B. Kollegen aus Risikogruppen nicht mehr eingesetzt werden durften. Auch sonst änderte sich vieles im Vergleich zu den früheren Jahrgängen: In jedem Raum gab es Hand- und Flächendesinfektionsmittel, die Tische wurden nach jeder Prüfung damit desinfiziert. Die Zahl der anwesenden Personen wurde auf das strikte Minimum reduziert: Nur der Prüfling und die absolut vorgeschriebenen Kommissionsmitglieder – Vorsitz, Prüfer, Protokollant – nahmen an der jeweiligen Prüfung teil, Zuhörer und Gäste durfte es keine geben. Die Prüfungen selbst wurden entzerrt, damit sich möglichst wenige Personen gleichzeitig im Gebäude aufhielten und Begegnungen vermieden wurden. Abitur in Zeiten von Corona – Abitur auf Abstand.
Obwohl eine seltsame Stille im Gebäude herrschte, war die Stimmung unter den Schülerinnen und Schülern gut. Sie freuten sich darüber, dass das Ende ihrer Abschlussprüfung greifbar nahe war und sie – im Gegensatz zu Schülerinnen und Schülern anderer Bundesländer – ihre Prüfungen planmäßig ablegen konnten.
Das gelang ihnen dann auch mit Bravour: Alle 47 zur mündlichen Prüfung angetretenen Kandidaten bestanden das Abitur. Neun davon erzielten sogar ein Ergebnis mit einer 1 vor dem Komma, 27 landeten zwischen 2,0 und 2,9, die restlichen erreichten das Ziel mit einem Schnitt zwischen 3,0 und 4,0. Damit lag die Abiturdurchschnittsnote dieses besonderen Jahrgangs bei 2,51, das entspricht 560 Punkten.
Die besten drei Plätze wurden dieses Mal von Jungen belegt: So gratuliert die Schulgemeinschaft Simon Klein zum besten Abitur mit dem Schnitt von 1,3, Joshua Wöll und Luca Groß zu den Plätzen zwei und drei mit 1,4. Unter den neun Besten finden sich vier Jungen und fünf Mädchen – ein sehr ausgewogenes Verhältnis.
Der laute Applaus der Schulgemeinschaft zu diesen herausragenden Ergebnissen und zu vielen anderen Preisen fiel leider dem Corona-Virus zum Opfer: Die für den 27. März geplante Abiturfeier musste ausfallen. Für den Jahrgang und das Organisationsteam bedeutete dies nicht nur finanzielle Opfer, denn die Festgarderobe war gekauft, der Caterer verpflichtet und Technik wie Geschirr schon gemietet. Mindestens so schwer wog aber das Bedauern darüber, nicht gemeinsam feiern zu können:  mit dem Jahrgang, mit dem man neun Jahre lang auf diesen Tag hingearbeitet hatte; mit der Familie, und den Großeltern, die voller Stolz die Übergabe des Zeugnisses erleben wollten, mit der Schulgemeinschaft, die freudig und zufrieden diesen Höhepunkt eines jeden Schuljahres am Gymnasium gestalten und den Abiturienten ihre verdiente Anerkennung erweisen wollte. Nun – in Zeiten von Corona – wurden die Abiturzeugnisse per Post versandt, versehen mit einem anerkennenden Schreiben der Schulleitung, das aber die persönliche Überreichung der Zeugnisse mit Handschlag (!) vor der gefüllten Aula nur ansatzweise ersetzen konnte.
Auf diesem Wege möchte die Schule ihre Preisträger jetzt öffentlich ehren: So erhielt Isabell Zulic den Preis der Ministerin für vorbildliche Haltung und soziales Engagement in der Schule, denn sie setzte sich in ganz besonderem Maße für die Schulgemeinschaft ein, ob im Chor, als Patin in der Orientierungsstufe, als Mitorganisatorin des Sponsorenlaufs, bei der Gestaltung des Aufenthaltsraums oder als stellvertretende Schülersprecherin. Den Preis der Naspa für vorbildliches soziales Engagement bekam Christopher Faust für seinen Einsatz in der Schülerverwaltung, im Chor, als Schulsanitäter und Streitschlichter, in der Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie bei der Pflege des jüdischen Friedhofs.
In den einzelnen Fächern wurden folgende Schülerinnen und Schüler für ihre besonderen Leistungen ausgezeichnet: Robin Rücker in Mathematik und Physik, Simon Klein in Physik, Lukas Fischer in Chemie, Monja Sahmer in Biologie, Luca Groß in Geschichte, Anna-Maria Zenzen in Ethik und Saskia Jonas in Sport.
Das Sophie-Hedwig-Gymnasium ist stolz auf diesen besonderen Abiturjahrgang, der trotz Schulschließung und Verunsicherung durch die Pandemie seinen Weg erfolgreich zum Ziel geführt hat. Wir konnten euch nicht persönlich verabschieden – aber wir denken an euch, freuen uns mit euch über euren Erfolg und hoffen auf ein Wiedersehen unter anderen Vorzeichen! Macht es gut – und bleibt gesund!